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7 November, 2005: “ZÄHLUNG DER GEFÄNGNISBEVÖLKERUNG IN RUMÄNIEN in den Jahren 1945-89”

Das Internationale Zentrum für Studien über den Kommunismus arbeitet seit einigen Jahren an einer ZÄHLUNG DER GEFÄNGNISBEVÖLKERUNG IN RUMÄNIEN in den Jahren 1945-89.

Die Zählung besteht in der informatorischen und statistischen Überarbeitung von über 90.000 Matrikeln der Einkerkerung, was über 70.000 Fälle von ehemaligen politischen Häftlingen betrifft.

Am Montag, den 7. November 2005, organisierte das Studienzentrum eine Pressekonferenz sowohl zur Information der Massenmedien als auch mit Blick auf die Zur-Verfügung-Stellung der objektiven Beweise, die notwendig für eine offizielle Verurteilung des Kommunismus sind, für den Präsidenten Rumäniens.

An der Pressekonferenz nahmen Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates des Studienzentrum, Mitarbeiter des Projektes sowie Mariana Nitelea teil, Dirketorin des Informationsbüros des Europarates in Bukarest, die das Interesse des Europarates für die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit und im Speziellen für Die Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus und für den Widerstand bestätigte. Das Treffen wurde eröffnet von Ana Blandiana, Vorsitzende der Academia Civica und des Memorial. Weiter verlas Ioana Boca einige statistische Daten, während Romulus Rusan, Direktor des Internationalen Zentrums für Studien über den Kommunismus und Initiator des Projekts, einige Bemerkungen über das Material machte, an dem gearbeitet wurde und das, wenn wir die Mindestanzahl von einer Millionen politischer Häftlinge in den 45 Jahren Kommunismus annehmen, eine mehr als eloquente Stichprobe für statistische Schlussfolgerungen darstellt. Die Ziele der Information, erklärt durch die Geheimniskrämerei des kommunistischen Regimes, sind nur im Kapitel „Verstorben in Haft“ und „Verhaftet administrativ“ (also ohne Prozess) erkennbar. Die Zahlen, die dem Publikum bekannt gegeben wurden, – erklärte Romulus Rusan – sind strikt informativ, während eine geleistete Arbeit mit statistischen Methoden in einem Jahr veröffentlicht wird, als eine erste objektive und unstrittige Studie über die kommunistische Repression. Einige subjektive Meinungen über das Material, das in Computern erfasst wird, wurden von den Projektmitarbeitern Laurentia Pantazescu, Gabriel Grecu und Ciprian Dumitrache mitgeteilt. Akademiemitglied Serban Papacostea, Prof. Neagu Djuvara, Rodica Coposu, Flavia Balescu, Constantin Avramescu, der Regisseur Nicolae Margineanu erinnerten an einige emblematische Personen des antikommunistischen Widerstands aus den 1950er Jahren in Rumänien, deren Haftkarteikarten den Anwesenden im Vorhinein angeboten wurden.

Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des INTERNATIONALEN TAGS DES GULAGS, der vor drei Jahren von der Organisation „Comitatus pro Libertatibus”, geführt von Vladimir Bukovski, ins Leben gerufen worden war. Der bekannte russische Dissident schickte bei dieser Gelegenheit eine Grußbotschaft, in der er, unter anderem, sagte:

„Heute, am 7. November, werden in vielen Ländern der Welt, sowohl im Osten als auch im Westen, Menschen zusammenkommen, um an eines der dunkelsten Phänomene aus unserem Leben – den GULAG – zu erinnern. Ich sage „aus unserem Leben“ und nicht aus unserer Vergangenheit, weil der Gulag für viele Nationen auch heute eine Realität ist. In China und in Kuba, in Nordkorea und in Vietnam leben die Menschen noch diesen Albtraum, jeden Moment darauf wartend, in das Gebiet ohne Hoffnung gebracht zu werden, oder beten für jene, die schon dort sind. Und wenn wir „MEMENTO GULAG!” sagen, denken wir genauso auch an sie.

Und dass wir uns heute zusammengefunden haben, um an den Gulag zu erinnern, machen mir im Namen einer großen Anzahl von Menschen. Für jene, die dort waren – tot oder lebendig – für jene, die immer noch dort sind und für jene, für die es möglich ist, dort anzukommen, richten wir uns an die Menschheit und ermahnen sie. In vielen Ländern kommen heute Menschen zusammen, um Kerzen zu entzünden, um die Namen der Verwandten und naher Personen, die gestorben sind, zu flüstern, um zu beten, um zu vergeben und um zu hoffen. Nichts und niemand kann uns aufhalten. Die Welt kann uns mit totaler Gleichgültigkeit behandeln, die selbsternannten „Eliten“ können uns feindlich gesinnt sein, aber wir werden nicht aufhören zu sagen MEMENTO GULAG!”

Die Presse der nachfolgenden Tage reflektierte breit die Wichtigkeit des Projekts: revista „22”, „Cotidianul”, „Adevarul”, „Curentul”, „Romania Libera” („93 000 dovezi pentru Traian Basescu”), die Nachrichtenprogramme von TVR, TVR Cultural und TVR International, aktuelle Sendungen der Radiodifuziunea Romana und der BBC. Einige Tage später wurde das Thema von Mircea Dinescu im Editorial von „Gandul” und in einer Sendung von „Realitatea TV” aufgegriffen.