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Strafrechtsmatrikularkarteizettel: Nicolae Mărgineanu

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Nicolae Mărgineanu(1905-1980)

Sohn von Bauern aus dem Kreis Alba, mit Sekundärstudien in Blaj und Orastie. Er absolvierte die Fakultät für Psychologie in Cluj, wonach Studien zur Spezialisierung an den Universitäten Leipzig, Berlin, Hamburg, Paris, London folgten. Mit einem Rockefeller-Stipendium (1934-1936) kehrte er nach Rumänien zurück, obwohl er für eine amerikanische Universität vorgesehen war. In Cluj war er Professor an der Fakultät für Philosophie und Literaturwissenschaft (1926-1947) und Direktor des Instituts für Psychologie.

1948 verhaftet wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit für das „Verbrechen der Verschwörung gegen die soziale Ordnung“ verurteilt, nachdem er diplomatische Posten abgelehnt hatte, die ihm vom kommunistischen Regime angeboten worden waren.

Nach 16 Jahren Gefängnis (er wurde 1964 durch das Erlassen des Rests der Strafe freigelassen) nahm er auf eigene Rechnung seine Forschungs- und Publikationstätigkeit wieder auf, ohne für das rumänische Erziehungswesen wieder zugelassen zu werden. Autor mehrerer bedeutender Erinnerungswerke. Eingeladen zu Vorträgen an Universitäten in Deutschland und den USA.

„64 kehrten ziemlich viele aus den Gefängnisse nach Hause zurpck. Wenn du zum Bahnhof gegangen bist waren dort Leute, die warteten. Du erkanntest sie mit großer Leichtigkeit wieder: sie waren blaß, hatten Andächtigkeit in den Blicken, mit einer außergewöhnlichen Emotion. Man schaute auf einen Baum, auf ein grünes Blatt. Auch wir warteten und wussten nicht sicher, ob er noch am Leben ist. Eines Tages kam jener wunderbare Tag, an dem meine Mutter anrief, und dann hörte ich die Stimme meines Vaters. In meinem Innersten gleubte ich schon nicht mehr, dass der Vater kommt. Ich hoffte darauf, aber als ich die Stimme hörte war ich so verblüfft, dass ich das Gefühl hatte, dass es ein Wunder ist. Und dann bin ich nach Hause gelaufen. Ich war optimistisch und ein wenig ängstlich, nicht unter Hausarrest gestellt zu werden. Es war eine außergewöhnliche Qual.

Es ist bewegend, was Vater erzählte: dass er dann, als die ganzen Leute herauskamen, verstand, sogar im Zug, woher sie kamen – aus Aiud. Er glaubte nicht, dass er wieder ins soziale Leben zugelassen würde, und dann fragte er: „wie viel verdient ein Straßenfeger?“ Man sagte ihm: „Dreihundert Lei“ oder wie viel es damals war. „Und mit diesem Geld kann du dir Brot und einen Liter Milch kaufen?“ Mit dieser Qual kam er, und er behielt sie für lange Zeit.“

(Der Regisseur Nicolae Margineanu über seinen Vater, Professor Nicolae Margineanu, Fragment aus dem oral-history-Archiv des Internationalen Zentrums für Studien über den Kommunismus – Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus und für den Widerstand)

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